Einführung
Für einen Materialtest meiner neuen Biwakausrüstung war ich vor ein paar Tagen im Berchtesgadener Land. Neben dem Testen der Ausrüstung wollte ich die Landschaft auch fotografisch erkunden und die schönsten Spots der Region aufnehmen. Dabei habe ich einige Erfahrungen gesammelt, die ich hier weitergeben möchte.
Hier ein paar Tipps zu den gängigsten Fotospots der Region um Berchtesgaden:
1. Hintersee
Die Top-Location der Gegend ist für die meisten sicher der Hintersee. Leicht und gefahrlos zu erreichen, mit Parkmöglichkeiten direkt am Ufer, eignet er sich sowohl für spontane Ausflüge als auch für ausgedehnte Fotosessions. Selbst in den kältesten Nächten und bei schlechtem Wetter hat man hier kein Problem, kurz wieder ins Auto zu schlüpfen. Die berühmten Bilder mit den mit Bäumen bewachsenen Inseln kennt sicher jeder. Dieser Spot befindet sich an der Nordseite des Sees, unweit der Bushaltestelle, sodass auch ohne Auto eine Anreise möglich ist.
Wer früh kommt, sichert sich die besten Plätze an dieser oft mit Fotografen bevölkerten Stelle. In der Regel liefert der Sonnenaufgang das beste Licht, während der Winter die Möglichkeiten einschränkt, typische Aufnahmen mit Polfilter vom Seeboden zu machen. Hat man die klassischen Bilder im Kasten, lohnt es sich, entlang des Seeufers weiterzugehen und neue Vordergründe, Spiegelungen und Perspektiven auszuprobieren. Ich habe festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, eine ruhige und durchdachte Komposition auszuwählen, da viele Motive auf engem Raum liegen.
Wer genug Zeit mitbringt, kann noch den sogenannten Zauberwald bei einer Seeumrundung erkunden. Oder man wandert in südwestlicher Richtung in etwa 50 Gehminuten zu einer Hängebrücke. Die Wege sind gut begehbar, und im Sommer fährt sogar ein kleiner Bus auf den Wegen zur Hängebrücke und weiter. Die 2010 fertiggestellte Brücke ist ca. 55 Meter lang, 11 Meter hoch und überquert den Klausbach. Ein perfekter Ort für Drohnenaufnahmen oder Panoramaaufnahmen der Umgebung. Besonders bei Sonnenuntergang lassen sich hier atmosphärische Lichtspiele einfangen, wenn die letzten Sonnenstrahlen durch die Bäume brechen.
2. Freier Blick auf den Watzmann
Die kleine Nebenstraße der Aschauerweiherstraße, der Aschauweg, bietet einen freien Blick auf den Watzmann, der besonders bei klarer Sicht beeindruckend ist. Das angrenzende Feld eignet sich ideal für den Bildaufbau, egal ob mit Weitwinkel- oder Teleobjektiv. Langzeitbelichtungen funktionieren hier zu jeder Tageszeit gut – perfekt für Spiegelungen auf nassen Flächen nach Regen.
Wer kein Auto hat, kann bequem mit dem Bus 841 vom Hauptbahnhof Berchtesgaden in 15 Minuten zur Haltestelle „Bischofswiesen Watzmanstube“ fahren und von dort zu Fuß weitergehen. Für Fotografen ist es besonders lohnenswert, bei unterschiedlichen Wetterbedingungen vorbeizuschauen: Nebelstimmungen im Frühnebel können den Watzmann mystisch erscheinen lassen, während klare Tage die majestätische Form der Berge betonen.
3. Maria Gern
Die Kapelle Maria Gern ist ein weiteres Highlight, besonders in Kombination mit dem Watzmann im Hintergrund. Wer ein Stück die Straße hinaufgeht, findet unterschiedliche Perspektiven für 16, 35 und 70 mm Brennweiten. Dabei entstehen sowohl klassische Postkartenbilder als auch kreative, ungewöhnliche Aufnahmen.
Idealerweise sollte man einen Tag ohne Nebel, Dunst oder Wolken wählen, da der Watzmann sonst kaum sichtbar ist. Die Kapelle selbst ist nicht nur von außen sehenswert – auch das Innenleben lohnt einen Besuch. Wer sich etwas Zeit nimmt, kann hier schöne Details wie Holzschnitzereien und bemalte Fenster fotografisch festhalten. Frühmorgens oder kurz vor Sonnenuntergang lassen sich auch hier die besten Lichtstimmungen einfangen.
4. Kneifelspitze
Der Aufstieg von Maria Gern über Lauchlehen und den Kneifelspitzweg ist eine leichte Wanderung über breite, gut gepflegte Wege. Diese Route eignet sich auch als Winterwanderung. Die Überschreitung vom Salzburgblick ist etwas anspruchsvoller, da sie über einen nicht markierten, wurzeligen Pfad steil hinunter zum Kneifelspitz-Rundweg führt. Bei Schneelage sollte man diese Variante meiden; im Winter empfiehlt sich der sichere Aufstiegsweg.
Bei der Wanderung steht der Genuss der Landschaft im Vordergrund. Der moderate Höhenunterschied führt auf einen sanften Aussichtsberg, der fantastische Blicke über Berchtesgaden, den Hohen Göll, das Steinerne Meer, den Watzmann und den Hochkalter bietet. Sonnenauf- und -untergang sind gleichermaßen lohnend, wobei letzterer die Berge in warmes Licht taucht. Für Fotografen lohnt es sich, genügend Licht mitzunehmen, um die Wald- und Hangpassagen gefahrlos zu bewältigen und dabei gleichzeitig stimmungsvolle Aufnahmen zu machen.
5. Schönau am Königssee
Hier gibt es unzählige Motive und Naturhighlights.
5.1 Malerwinkel & Rabenwand
Eine kleine Wanderung zum Malerwinkel (10 Minuten vom Königssee) und weiter zur Rabenwand (ca. 40 Minuten zusätzlich) eröffnet Aussichtspunkte mit fast fjordartigen Blicken. Besonders morgens oder bei leichtem Nebel wirken die Spiegelungen im Wasser magisch.
5.2 Bootsfahrt über den Königssee
Wer gegen 9:45 Uhr die erste Bootsfahrt unternimmt, genießt das weiche Morgenlicht ideal für Landschaftsaufnahmen. Ein Platz auf der rechten Seite des Bootes ist empfehlenswert, um beim Wenden den besten Blick auf die Kapelle St. Bartholomä mit dem Watzmann im Hintergrund zu haben. Im Winter, wenn Teile des Sees zugefroren sind, entfällt die Fahrt bis Salet, sodass die Wanderung zum Obersee nicht möglich ist.
5.3 Obersee
Vom Bootsanleger Salet führt ein breiter Wanderweg zur Saletalm. Überquert man nach der Alm einen kleinen Bach, erreicht man flach den Obersee. Am rechten Ufer entlang der Walchhüttenwand verläuft ein gut gesicherter Wanderweg zur Fischunkelalm. Von dort lohnt sich ein Aufstieg in den Kessel unterhalb des Röthbachfalls. Über die Almwiesen und durch ein Waldstück gelangt man zu einer Geländestufe, hinter der der Röthbachfall beeindruckende 470 Meter in die Tiefe stürzt.
5.4 Eiskapelle
Die Eiskapelle ist keine Kapelle aus Eis, sondern erhielt ihren Namen wegen der kuppelartigen Form im Inneren, die an ein Kirchenschiff erinnert. Sie gilt als südlichster „Gletscher“ der Alpen und verändert ihr Aussehen je nach Jahreszeit. Aufnahmen erinnerten mich an die Gletscherhöhlen auf Island, die ich zuvor vergeblich gesucht hatte.
Der Weg zur Eiskapelle dauert etwa 1 ½ Stunden von St. Bartholomä. Das Betreten ist je nach Wetterlage gefährlich: Im Winter drohen Lawinen, im Frühjahr Schmelzwasser, im Sommer kann die Wärme die Stabilität beeinträchtigen. Selbst wenn man nur den Weg entlangwandert, ist das Erlebnis spektakulär: Rechts erheben sich die fast 2000 Meter hohe Watzmann-Ostwand, und im Winter hallen kleine Schnee- und Steinlawinen durch die Schlucht. Außerhalb der Waldgrenzen liegt oft kniehoher Tiefschnee, der das Abenteuer perfekt macht.
5.5 Jenner
Theoretisch würde sich hier ein wunderschönes Panorama bieten, leider wird in diesem Winter die Jennerbahn neu gebaut und erst im Sommer 2019 neu eröffnet.
Damit fiel für mich diese Option weg.

























