Eishöhlen in Island – Fluch und Segen zugleich
Erst bei meinem mittlerweile vierten Island Aufenthalt bin ich der Versuchung erlegen, diesen auf der Welt einzigartigen Formationen der Eishöhlen auf den Grund zu gehen.
Es wäre nun ein leichtes, von märchenhaften Kristallpalästen zu schwärmen. Von in vielfachen Türkistönen schimmernden Wänden, die angesichts majestätischer Optik euphorische Glückgefühle und Demut vor der Natur auslösen. Aber ich möchte hier den zahlreichen (sicher auch berechtigten) Blog- und Werbeeinträge auch ein wenig kritische Würze hinzufügen. Gerade auch in Hinblick des Einsturzes einer Höhle im Sommer 24 mit einem Toten.
Fakt ist einmal, dass sich das Geschäft mit den Touren um die Eishöhlen in Island zu einem riesigen Geschäftsbetrieb entwickelt hat. Im Minutentakt jagen ab 09:30 den ganzen Tag Führer mit Gruppen zwischen 10 – 15 Touristen durch die für das Jahr freigegeben 2 – 3 Höhlen. Da bleibt nur wenig Zeit für Andacht und Staunen. Mittlerweile wurde das Geschäft (nicht mehr nur durch einheimischen Anbieter; auch amerikanische Betreiber sind eingestiegen) auf das ganze Jahr ausgedehnt. Auch wenn es statistisch weitaus gefährlicher ist, sich mit einem Auto im Straßenverkehr zu gefährden als sich in einer einstürzenden Eishöhle wiederzufinden. Man benötigt kaum Fantasie, um die Idee, sich im Hochsommer in eine Eishöhle zu begeben, bedenklich zu finden. Gerade wenn man, wie unser Guide uns erklärte, sich die Aschebänder im Eis aus den Vulkanausbrüchen der letzten Jahrhunderte anders erwärmen, als das Eis in der Umgebung. Denn dadurch bilden sich Sollbruchstellen. Mittlerweile ist das Geschäft wieder auf den Winter beschränkt. Wenn man aber sieht, wie sehr sich die Gletscher bereits zurückgezogen haben (lt. meiner Einschätzung um 30% gegenüber vor 8 Jahren) und wie wenig Winter in Island übriggeblieben ist, ist es nur eine Frage der Zeit, dass auch das Wintergeschäft immer risikoreicher wird.
Wo findet man die Höhlen und welche Tour buche ich?
Die meisten der angebotenen Touren finden am Vatnajökull statt. Dort meist am Breiðamerkurjökull, da dieser leicht zugänglich und allgemein beliebt ist. Einige finden jedoch weit abseits der ausgetretenen Pfade statt. Sei es am Skaftafell, wo der Schwerpunkt eher auf dem Gletscher liegt oder im Katla-Gebiet, wo immer noch mit dem toll aussehenden Eisring (menschengemacht mit Butanbrenner) geworben wird, obwohl dieser schon seit 9 Monaten eingestürzt ist.
Allgemein ist es so, dass sich die Höhlen teils jedes Jahr neu bilden und die alten sich durch den Schmelzwasserabfluss verändern und auch aktiv von den Tour Veranstaltern gesucht und zugänglich gemacht werden.
Eine Beschreibung der „besten“ Höhlen ist damit Makulatur. Vielmehr sollte man darauf achten, in möglichst kleiner Gruppe (am besten zu zweit mit dem Guide) und mindestens zwei Stunden vor den Gruppen zu starten. Diese Touren werden in der Regel als Early Bird Package angeboten. Nur dann hat man die Möglichkeit noch mit Ruhe ein emotionales Erlebnis zu erfahren. Das hat natürlich seinen Preis, ist der Alternative aber auf jeden Fall vorzuziehen.
Wann besucht man die Höhlen?
Wenn man irgendwann mit dem Gedanken spielt, wird einem nichts anderes übrigbleiben, als zwischen Ende Oktober und Ende März nach Island zu kommen. Gerade weil aufgrund des vorgenannten Unfalls im Jahr 2024 die Sommertouren wieder verboten sind. Mein Tipp lautet: Anfang / Mitte März. Das ist kurz vor Ende der Saison. Die Tage sind dann bereits wieder länger, man hat sogar bis zu 12 Stunden Tageslicht. Und gleichzeitig hat man noch die Chance Polarlichter zu sehen. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Empfehlung.
Im Internet kann man teils lesen, dass zu den Monaten November bis Februar geraten wird. Dieser Zeitraum bietet allerdings jede Menge Nachteile. Die Tage sind relativ kurz, mit teilweise bis zu nur 4 Stunden Tageslicht. Extremes Wetter (der Februar ist rein statistisch gesehen der schlechteste Monat im Jahr, was das angeht) und Straßensperrungen sind eher die Regel als die Ausnahme.
Schaut euch die Bilder an und urteilt selbst, ob man sich das einmal im Leben leisten möchte.
Fotos in der Eishöhle
Die Höhle besteht vollständig aus Eis. Teilweise ist auch der Boden aus Eis und an anderen Stellen, liegen Sedimente und Steine, die vom Gletscher transportiert wurden. Allerdings ist nicht in den meisten Fällen davon auszugehen, dass einen zu allen Seiten türkistransparente schimmernde Wände umgeben. Es werden nur die Teile farbig, durch die Licht von außen dringt. Die Farben der Eishöhlen sind je nach Dicke der Schichten und Menge an Einschlüssen hellblau bis schwarz, manchmal auch grün. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass man für wirklich brauchbare Bilder zumeist ein Stativ benötigt.
Das Stativ kommt aus unterschiedlichen Gründen zum Einsatz. Zum ersten ist mit Belichtungszeiten von ca. 1-4 Sekunden bei einer Blende von beispielsweise f/11 zu rechnen. Auch die Erhöhung der ISO wäre nur in seltensten Fällen eine Empfehlung.
Das Weitwinkelobjektiv ist natürlich der Klassiker für Bilder der Eishöhlen, jedoch sind auch Aufnahmen von Details unglaublich reizvoll.
Selbstportraits in der Höhle
Auch wer keine Selfies mag, sollte sich überlegen, hier viele davon zu machen. In dem Sinne das man sich mit in die Szenerie integriert. Erst dann werden die Größenverhältnisse wirklich sichtbar. Damit dies auch gelingt, sind ein Stativ und die Kamera mit Selbstauslöser meist nötig. Ohnehin fotografiert man am besten im manuellen Modus. Zumeist bieten sich die Guides in der Regel auch als geeignetes Objekt an.
Details in der Eishöhle
Die Vielfalt der Details in den Eishöhlen ist überwältigend. Persönlich haben mich die Strukturen ein wenig an Nordlichter in Blau erinnert. Die fein ausgewaschenen Formen, kombiniert mit den breiten Farbabstufungen, erinnern fast an abstrakte Malerei. Tropft das Wasser von der Decke, können Eiszapfen entstehen, die wiederum abstrakte Strukturen und Formen bilden. Die geschwungenen Formen und erstaunlichen Farben sind wunderschön und bieten viel Platz für die fotografische Inszenierung. Fließendes Wasser von Wasserläufen, sowie elegante Strukturen im Eis selbst, lassen sich hervorragend als gestalterische Bildelemente einsetzen.
Aus den letzten Jahren haben ich die Highlights aus Island in drei kleinen Filmen zusammengestellt:
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