Halong Bucht

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Die Halong Bucht und der Kreuzfahrttourismus

Der Mythos:

Der Name Vịnh Hạ Long bedeutet „Bucht des untertauchenden Drachen“ im Gegensatz zu Thang Long (aufsteigender Drache, dem alten Namen von Hanoi). Der Legende nach entstand die Bucht durch einen Drachen, der nahe am Meer in den Bergen lebte. Als er zur Küste lief, zog er mit seinem Schwanz tiefe Furchen in das Land, das vom Meer überflutet wurde, nachdem der Drache ins Wasser abgetaucht war. Einer anderen Legende nach ließen seine Kinder die bizarre Inselwelt im Meer zurück, als sie im Kampf gegen Eindringlinge Perlen spuckten, die zu Land wurden.

Nun haben diese Bedeutungen genau die geheimnisvolle Aura, die uns der Tourismus und das Reisen an sich versprechen. Wenn man dann in die Reiseplanung einsteigt, stellt man schnell fest, dass sich die gesamte Bucht im Würgegriff einer Tourismusindustrie befindet, die einer riesigen Maschine gleicht, und keine Abweichung oder individuellen Wünsche duldet.

Die Möglichkeiten:

Im Großen und Ganzen hat man nur zwei Möglichkeiten, a) man reist auf eigene Faust an (zum Beispiel nach Cat Ba und versucht vor Ort einzelne Touren zu buchen.. Oder b) man bucht von Hanoi oder schon von zu Hause aus.

In beiden Fällen wird man meist nur die Möglichkeit haben, zwischen der klassischen zwei Tage / eine Nacht Kurzversion und der etwas erweiterten drei Tage / zwei Nächte Version zu wählen. Wobei man feststellen wird, dass der erste und letzte Tag zumeist aus Ausborden und Transfer besteht. Eine weitere Möglichkeit besteht darin sehr viel Geld in die Hand zu nehmen und eines der kleineren aber sehr luxuriösen Boote zu chartern, auf denen man quasi privat unterwegs ist.

Die Möglichkeiten die Halong Bucht in ihrer ganzen Schönheit genießen zu können, sind durch die Tourismusindustrie vor Ort, die uns dieses Erlebnis verkaufen möchte, fast zunichte gemacht. Die Masse der Touristen, ca 2,5 Mio. im Jahr, wird ein paar Stunden im Konvoi mit 100en anderen Schiffen (es gibt zurzeit 553 Boote mit Lizenz) durch die Inselwelt bugsiert. Bei dem fast legendären Hang der Bucht sich in Wolken und Nebel zu flüchten, bleibt vielen nur ein Schatten des Erwarteten. Der Kreuzfahrttourismus ist hier als jene globale Tretmühle konsolidiert, der zu entfliehen, er uns verspricht.

Fazit:

Im allgemein kann man für die Angebote festhalten: wer ein sehr billiges Angebot wahrnimmt, bekommt nichts, wer etwas Geld in die Hand nimmt, bekommt wenig, und wer viel Geld in die Hand nimmt, bekommt eine vage Vorstellung was sein könnte.

Wenn man dann noch Glück mit dem Wetter hat, wird der Besuch der Halong Bucht mit etwas Glück tatsächlich magisch. Das entscheiden aber eher die Götter. Wir hatten uns für eine annähernde Luxusvariante entschieden und bekamen Sonne, Regen, Nebel, Donner & Blitz; insofern hatten wir tatsächlich das Optimum und waren schwer begeistert.

In unserem Fall möchte ich den Besuch nicht missen und er war sicherlich einer der großen Highlights unserer Vietnam Reise. Auch wenn wir schon in vielen anderen asiatischen Ländern die Karstbergformationen bestaunt haben, hat diese Variante mit den vielen Inseln und den sich, durch das langsame hindurch Gleiten, permanent verschiebenden Perspektiven, eine ganz eigene Schönheit.

Allerdings ist zu hören, dass die vietnamesische Regierung den 202 von 553 Booten, die eine Lizenz zur Übernachtung in der Bucht haben, diese wegen Sicherheitsbedenken, entziehen will. Ebenso sollen alle hölzernen Boote verschwinden und nur noch Stahlschiffe zum Einsatz kommen, dies wird aber nur die Neuzulassungen betreffen.

Wer also beabsichtigt, diese Bucht zu besuchen, sollte sich bald auf die Reise machen und nicht am falschen Ende sparen.