Eine fotografische Reise von Angkor bis ans Meer
Kambodscha ist ein Land, das sich für mich sofort öffnet. Es zeigt seine Schönheit nicht laut, sondern mit Tiefe. Wer mit der Kamera reist, merkt schnell, dass es hier nicht nur um Motive geht, sondern um Geschichten – um Vergangenheit, Gegenwart und das, was dazwischen liegt. Das Kapitel der Roten Khmer und des Völkermordes unter Pol Pot ist gerade einmal knapp 50 Jahre her. Meine Reise führte mich von den Tempeln von Siem Reap über das ländliche Battambang, weiter in das ruhige Kampot, nach Sihanoukville und schließlich auf die Insel Koh Rong Sanloem.
Siem Reap – Stein, Spiritualität und Zeit
Siem Reap ist für viele der erste Berührungspunkt mit Kambodscha – und mit seiner großen Vergangenheit. Die Tempel von Angkor sind weltberühmt, doch ihre Wirkung erschließt sich erst wirklich im richtigen Licht und mit genügend Zeit. Frühmorgens, wenn der Dschungel noch dampft und Nebel zwischen den Steinen hängt, wirken Tempel wie Angkor Wat, Ta Prohm oder Bayon fast entrückt. Die Gesichter der Türme blicken ruhig über Jahrhunderte hinweg, während Mönche, Pilger und erste Besucher durch die Anlagen ziehen. Fotografisch ist es wichtig, nicht nur die bekannten Perspektiven zu suchen, sondern Details: Reliefs, verwitterte Steine, das Spiel von Licht und Schatten. Abseits der Tempel bietet Siem Reap selbst Einblicke in den Alltag. Märkte, kleine Straßen und das Leben am Tonle-Sap-See ergänzen die monumentale Geschichte um menschliche Nähe. Das Innenstadtviertel mit der berüchtigten Pub Street (eine Variante der Kao San in Bangkok) bietet auch abseits dieser entspannte, teils hip anmutende Viertel in denen auch viele Expats zu Hause sind.
Vom Tempel zum Wasser – Mit dem Boot über den Tonle Sap nach Battambang
Die Reise von Siem Reap nach Battambang per Boot ist mehr als ein Transfer – sie ist eine langsame Einführung in das ländliche Kambodscha. Früh am Morgen verlässt das Boot den Hafen, gleitet durch schmale Kanäle und öffnet sich schließlich in die Weite des Tonle-Sap-Sees. Der See verändert sich je nach Jahreszeit drastisch. Schwimmende Dörfer, Stelzenhäuser, Fischerboote und Kinder, die vom Boot aus winken, ziehen vorbei. Für Fotografen ist diese Strecke ein Geschenk: Alltagsszenen, Porträts, Linien im Wasser, Lichtreflexionen. Wichtig ist Geduld – und Zurückhaltung. Viele der besten Bilder entstehen unbeobachtet, im Vorbeiziehen. Die Fahrt dauert mehrere Stunden, doch die Zeit verliert an Bedeutung. Wasser wird zur Verbindung zwischen den Orten – und zwischen den Geschichten. Man sollte aber auf die Jahreszeit achten Ab März beginnt die Dry Season und die Bootsstrecke wird in der Regel eingestellt, die Dörfer am See stehen dann nicht mehr im Wasser, sonder trockenen Fußes.
Battambang – Ländliches Kambodscha und leise Geschichten
Die Fahrt nach Battambang fühlt sich an wie ein Schritt aus dem touristischen Fokus heraus. Die Stadt liegt inmitten fruchtbarer Landschaften und ist eigentlich geprägt von kolonialer Architektur und einem entspannten Rhythmus. Allerdings ist die touristischen Bedeutung des Ortes eher rückläufig. Die Architektur verfällt zusehends und außerhalb einer zentralen Strasse mit 2-3 Caffees und ein paar Restaurants, gibt es kaum Infrastruktur. Wirklich interessantist, das der Ort sind 2019 Ort diverser Street Art Festivals war. Man kann fußläufig eine nette Tour entlang der Werke die über die Jahre entstanden sind machen. Battambang ist ein idealer Ort für dokumentarische Fotografie. Morgens fahren Mönche mit dem Fahrrad durch die Straßen, Händler bauen ihre Stände auf, Kinder spielen vor den Häusern. Besonders eindrucksvoll ist das Umland: Reisfelder, kleine Dörfer und Tempel abseits der bekannten Routen.
Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch der Bat Caves am Abend, wenn tausende Fledermäuse in endlosen Formationen aus der Höhle strömen. Fotografisch ist das eine Herausforderung – und ein perfektes Beispiel dafür, wie Natur und Geduld in Kambodscha zusammengehören.
Ein Muss ist auch der Bamboo Train. Auf einer einfachen Plattform aus Bambus, angetrieben von einem kleinen Motor, fährt man durch die Landschaft. Reisfelder, Palmen, Dörfer ziehen vorbei – langsam, offen, ungefiltert. Der Bamboo Train ist weniger Attraktion als Ausdruck von Improvisation und Alltag, und genau das macht das Erlebnis so wertvoll.
Kampot – Ruhiges Herz am Fluss
Kampot, am Ufer des gleichnamigen Flusses gelegen, wirkt wie eine kleine Auszeit vom hektischen Südostasien. Die Stadt besticht durch koloniale Häuser, ruhige Gassen und eine Gelassenheit, die sich sofort auf Reisende überträgt. Hier scheint die Zeit langsamer zu vergehen: Fischer gleiten morgens über den Fluss, Kinder spielen auf den Straßen, und Händler bereiten ihre Stände in aller Ruhe vor.
Fotografisch lohnt sich ein Spaziergang entlang des Flussufers bei Sonnenaufgang, wenn das Wasser die ersten Lichtstrahlen reflektiert. Die bunten Kolonialhäuser, alte Holztüren und kleine Cafés bieten charmante Details, die den historischen Charme der Stadt einfangen. Abseits der Stadt lassen sich die berühmten Pfefferplantagen erkunden – Kampot ist schließlich für seinen aromatischen Pfeffer weltberühmt – sowie die umliegenden Hügel und Reisfelder, die sich ideal für Landschaftsfotografie eignen.
Kampot ist außerdem Ausgangspunkt für einen Besuch des Bokor-Nationalparks. Nebelverhangene Berge, verlassene Hotels aus der Kolonialzeit und beeindruckende Aussichten auf die Küste bieten dramatische Fotomotive. Trotz seiner touristischen Beliebtheit hat Kampot seinen authentischen Charakter bewahrt: eine Stadt, die Kultur, Natur und entspanntes Leben harmonisch vereint.
Für Reisende und Fotografen ist Kampot damit ein Ort zum Verweilen, Beobachten und die ruhigen Momente Kambodschas einzufangen.
Sihanoukville – Stadt im Wandel
Sihanoukville ist ein Ort des Umbruchs. Große Bauprojekte, verlassene Hotels & Ruinen und traditionelle Fischerboote existieren nebeneinander. Fotografisch ist das herausfordernd, aber ehrlich. Hier geht es weniger um Schönheit als um Dokumentation – um das Festhalten einer Übergangsphase. Seitdem sich die Stadt im Würgegriff chinesischer Scamfabriken befand, und durch die organisierte Kriminalität Unmengen von Kasinos nachzogen hat sich einiges getan. Das Glücksspiel wurde verboten, die Fabriken geschlossen, wie nachhaltig das ist, wird dich aber erst mit der Zeit zeigen.
Koh Rong – Vom Fischerdorf zum Touristenparadies
Koh Rong ist das visuelle Gegenstück zur urbanen Unruhe. Die zweitgrößte Insel Kambodschas im Golf von Thailand, liegt etwa 25 Kilometer vor der Küste von Sihanoukville. Mit rund 78 Quadratkilometern Fläche und über 40 Kilometern Küstenlinie bietet sie zahlreiche Strände, Buchten und Felsformationen. Historisch bestand die Insel aus mehreren kleinen Fischerdörfern wie Koh Touch, Prek Svay, Deum Thkov und Sok San. Die Einwohner lebten überwiegend vom Fischfang, und das Leben auf der Insel war ruhig und eng mit der Natur verbunden.
In den frühen 2000er Jahren entdeckten vor allem abenteuerlustige Rucksackreisende Koh Rong. Weiße Sandstrände, klares Wasser und dichter Dschungel zogen Besucher an, die das ursprüngliche, unberührte Kambodscha suchten. Damals war die Infrastruktur noch sehr spärlich, und kleine Gästehäuser, einfache Bungalows und der typische Backpacker-Charme prägten das Bild der Insel. Besonders Koh Touch wurde schnell zum Zentrum des jungen Tourismus. Schnellboote und Fähren aus Sihanoukville ermöglichen heute die Überfahrt in etwa 40 Minuten, und elektrische Netze, Straßen sowie Mobilfunkabdeckung wurden deutlich verbessert. Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen wie Wasserknappheit in der Trockenzeit oder eingeschränkte Versorgung in abgelegenen Buchten.
Der Wandel hat auch die Lebensgrundlagen der Inselbewohner verändert. Wo früher nahezu alle vom Fischfang lebten, arbeiten heute viele in Hotels, Restaurants, Tauchschulen oder im Bootsverkehr. Während der wirtschaftliche Nutzen spürbar ist, profitieren häufig externe Investoren stärker als die lokale Bevölkerung. Die sozialen und kulturellen Strukturen ändern sich: Englischkenntnisse steigen, neue Lebensformen entstehen, aber traditionelle Werte geraten teilweise unter Druck.
Koh Rong bietet eine klare Bandbreite an touristischen Erfahrungen: belebte Strände wie Koh Touch laden zu Bewegung, sozialen Begegnungen und Sonnenuntergängen ein; ruhigere Naturstrände wie Sok San Beach oder Lonely Beach eignen sich für minimalistische Landschafts- und Lichtfotografie; Fischerdörfer wie Prek Svay und Palm Beach geben Einblicke in das Inselleben; und abgelegene Buchten wie Coconut Beach bieten nahezu unberührte Natur für Stille, Langzeitbelichtungen und ungestörte Landschaftsfotografie. Koh Rong Sanloem ist dabei die kleine Schwester und noch unberührter und unverfälschter. Aus beiden Inseln habe die Militärs, denen das meiste gehörte, Nutzungsrechte an chinesische Investoren verkauft, die die Inseln nun nachhaltig verändern und touristisch entwickeln, nicht immer zum positiven. Anfang 2026 war auch auf der kleineren Insel zu beobachten wie längs und quer riesige Schneisen durch den Dschungel geschlagen wurde, Straßen gebaut wurden und elektrifiziert wurde. Wer noch die unberührte Insel erleben möchte, der sei hier der Sunset Beach empfohlen. 4 europäische Betreiber teilen sich diesen Strand, der nur zu Fuß mit eine halben Stunde Marsch durch die sengende Sonne, und einem Kletterabstieg von der Hügelkette aus zu erreichen ist. Hier kann man eine Hütte direkt am Strand mieten und hat nur das Rauschen der Wellen zu genießen.
Insgesamt zeigt Koh Rong beispielhaft, wie eine tropische Insel innerhalb kürzester Zeit vom ruhigen Fischerdorf zu einer global nachgefragten Urlaubsdestination werden kann.
Die Insel bietet unterschiedliche Strände, die sich klar kategorisieren lassen – jeder mit eigener Atmosphäre und Charakter.
- Belebte Strände – Leben und Bewegung
Long Set Beach (4K Beach), Koh Touch
- Boote, Bars, Menschen
- Ideal für Street- und Reportagefotografie
- Besonders spannend bei Sonnenuntergang
- Ruhige Naturstrände – Reduktion und Licht
Sok San Beach, Lonely Beach
- Weite, helle Strände, wenig Bebauung
- Perfekt für minimalistische Kompositionen
- Beste Zeit: früher Morgen
- Fischerdörfer & Alltagsstrände – Kultur am Meer
Prek Svay Village, Palm Beach
- Einblicke in das Inselleben
- Dokumentarische Fotografie
- Respektvoller Umgang entscheidend
- Abgelegene Buchten – Stille und Atmosphäre
Coconut Beach, Hidden Beaches im Süden
- Kaum Menschen, ursprüngliche Natur
- Ideal für Landschaft und Langzeitbelichtungen
Koh Rong steht fotografisch für Reduktion. Weniger Motive, weniger Ablenkung – dafür Licht, Wasser und Zeit.
Fazit – Kambodscha durch die Linse erleben
Diese Reise durch Siem Reap, Battambang, Kampot, Sihanoukville und Koh Rong zeigt Kambodscha in all seinen Facetten: monumental und intim, schwer und leicht, laut und still.
Für eine Fotoreise ist Kambodscha kein einfacher, aber ein ehrlicher Ort. Wer bereit ist, sich auf Geschichten einzulassen – auch auf die unbequemen –, wird mit Bildern belohnt, die Tiefe haben und lange nachwirken. Kambodscha bleibt im Gedächtnis, weil es Fragen stellt. Über Geschichte, Verantwortung, Vergänglichkeit und Neubeginn. Eine Fotoreise durch dieses Land ist deshalb immer auch eine persönliche Reise. Die Bilder, die entstehen, sind vielleicht nicht immer perfekt im Sinne der Instagramability – aber sie sind wahr. Und genau das macht sie wertvoll.
Aus den letzten Jahren haben ich die Highlights aus Island in drei kleinen Filmen zusammengestellt:
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