Vulkankrater im Hochland

with Keine Kommentare
Vulkanismus in Island

Der Grund für den allgegenwärtigen Vulkanismus Islands liegt in der Verortung der Insel auf dem Mittelatlantischen Rücken. Dieser unterseeische Graben teilt die nordamerikanische von der eurasischen Kontinentalplatte, was bedeutet, dass die Insel auf einer geologischen Nahtstelle liegt. Island ist einer der wenigen Orte auf der Welt, an denen man diese Prozesse nicht nur theoretisch, sondern sichtbar und oberirdisch beobachten kann. Ganze Landschaften sind das Resultat von tektonischer Aktivität und Lavaströmen. Allein die Hälfte der Insel besteht aus Vulkanwüsten, die in geologischer Perspektive erst kürzlich entstanden sind – manche Lavafelder sind gerade einmal Jahrhunderte alt, andere erst wenige Jahrzehnte.

Da sich die Platten permanent auseinanderdriften, entstehen enorme Spannungen im Gestein. Diese Spannungen äußern sich in permanenter seismischer Aktivität, kleinen Erdbeben, aber hin und wieder auch in spektakulären Vulkanausbrüchen. Ein aktuelles Beispiel ist der Ausbruch am Fagradalsfjall, unweit des Flughafens Keflavík. Solche Ereignisse sind zwar nach wie vor nicht exakt vorhersehbar, doch die Isländer haben gelernt, mit dem ständigen Risiko zu leben. Die vulkanische Aktivität ist Teil ihres Alltags und prägt Landschaft, Kultur und Infrastruktur.

Island verfügt über 32 Vulkansysteme mit etwa 130 bekannten Vulkanen, darunter aktive, ausgestorbene und schlafende Vulkane. Besonders die Regionen um Hekla, Katla und Vatnajökull sind hochgradig gefährdet. Hier treffen Vulkane auf Gletscher, wodurch die Eruptionen besonders explosiv werden können. Die Kombination aus Lava und Gletschereis kann nicht nur gewaltige Gletscherfluten auslösen, sondern auch pyroklastische Ströme verstärken. Das Risiko solcher Ereignisse zwingt die Behörden regelmäßig zu Evakuierungen ganzer Landstriche.

Zur Verdeutlichung: Sollte Katla unter dem Mýrdalsjökull-Gletscher ausbrechen, wäre die Evakuierung eines Großteils der Südküste Islands nötig. Die touristisch bekannte Stadt Vík, rund 25 Kilometer entfernt, würde dabei größtenteils überschwemmt – lediglich die Kirche auf dem Hügel oberhalb des Flusses könnte überstehen. Die Gefährdung durch Gletscherschmelze ist also real und Teil des geologischen Spiels auf der Insel.

Historisch gesehen sorgte der Ausbruch des Eyjafjallajökull im Jahr 2010 weltweit für Schlagzeilen, da der Vulkan den europäischen Flugverkehr wochenlang lahmlegte. Doch auch danach blieb Island aktiv: 2014 kam es im Hochland zu einem kleineren, weniger bekannten Ausbruch, der in der internationalen Presse kaum Beachtung fand, aber lokal Auswirkungen auf Wanderwege und Wasserläufe hatte. Das aktuelle Schauspiel auf der Halbinsel Reykjanes, nahe Grindavík, ist dagegen eher harmlos, zeigt jedoch eindrucksvoll, wie dynamisch die Landschaft Islands ist. Gleichzeitig hat die Aktivität den Tourismus nach der Corona-Pandemie 2021 positiv belebt, da viele Reisende gespannt die neuen Lavafelder und Fumarolen besuchen.

Vulkanismus prägt nicht nur die Sicherheit und Infrastruktur, sondern auch die ästhetische Seite Islands. Fotografen, Geologen und Wanderer können Lavafelder, Kraterseen, Fumarolen und junge Basaltlandschaften aus nächster Nähe erleben. Die Kontraste zwischen schwarzen Lavafeldern, weißen Gletschern und leuchtend blauen Kraterseen bieten einzigartige Motive, die man sonst kaum irgendwo auf der Welt findet. Besonders nach einem Ausbruch entstehen temporäre Landschaften, die innerhalb weniger Jahre erodieren und so jedes Mal ein einzigartiges Naturschauspiel darstellen.

Die ständige vulkanische Aktivität ist also nicht nur eine geologische Besonderheit, sondern auch ein Erlebnis für Naturbeobachter und Fotografen. Wer Island bereist, kann diese Kraft der Erde hautnah erleben – vom sicheren Abstand aus auf Wanderwegen oder Aussichtspunkten, oder bei geführten Touren direkt in jungen Lavafeldern. So wird klar, dass Vulkanismus in Island weit mehr als nur ein theoretisches Konzept ist: Er formt Land, Leben, Kultur und Abenteuer auf einer Insel, die in jeder Hinsicht aus Feuer und Eis besteht.

Risiken und Chancen

Vulkane sind aber nicht nur Bedrohung, sie sind auch für einige der tollsten touristischen Highlights der Insel verantwortlich, die Geysire, die heißen Quellen, die Lavahöhlen und auch die sechseckigen Basaltsäulen. Die gesamte Landschaft fußt darauf, die grünen moosbedeckten Lavafelder, die Flächen und Strände aus schwarzem Sand ebenso die großen Krater. Einige davon noch als solche zu erkennen, viele schon abgeschliffen und nur noch als Knubbel in der Landschaft zu erkennen.

Aber nicht nur der Tourismus profitiert, Vulkanismus ist ein maßgeblicher Teil der isländischen Wirtschaft. Fast das komplette heiße Wasser des Landes wird direkt aus der Erde in die Wasserhähne und Heizungen der Häuser gepumpt – es ist eine billige und umweltfreundliche Art zu heizen. Obst, Gemüse werden das ganze Jahr über in Gewächshäusern angebaut, so dass es sogar mitten im Winter frische Produkte gibt.

Island produziert etwa 30% seines Stroms in geothermalen Kraftwerken und da der Rest aus Wasserkraft stammt, ist Island eines der ganz wenigen Länder weltweit, dass fast ausschließlich erneuerbare Energien nutzt. Die Schwerindustrie, insbesondere Unternehmen die im Bereich der Aluminiumschmelze tätig sind, haben das Potential einer so großen verfügbaren Energiequelle erkannt.

Diese Fotoserie

Hier habe ich mich auf die optisch interessanten Vertreter im Hochland konzentriert. Zum einen an den Zufahrten nach Landmannalaugar, wie den Explosionskrater Ljótipollur oder den an der 225 liegenden unbekannteren Raudaskàl. Das Lakagígar, eine fast 30 Kilometer lange Eruptionsspalte in Südostisland, die aus etwa 130 riesigen Kratern besteht, ist hier vertreten, wie auch der Eldborg in der Nähe zum Geitahlíð auf der Halbinsel Reykjanes.

Die meisten Bilder sind aus der Luft aufgenommen. Besonders interessant sind die oft an den Rändern auftretenden farbigen Ablagerungen in Rot, im Zusammenspiel mit dem Grün des Moosbewuchses. Einige mussten erwandert werden, bei anderen war sogar die direkte Zufahrt zum Kraterrand mit dem Auto möglich. Sollte euch in Bezug der Recherche zu einer Islandreise, die Lage einiger Vertreter unklar sein, schreibt mich an. Meist kann ich weiterhelfen.

Die besten Vulkan-Fotospots
A. Fagradalsfjall (Halbinsel Reykjanes)
  • Aktivität: Aktueller Ausbruch 2021–2023

  • Zugang: Wanderweg ab Parkplatz in Grindavík, ca. 3–4 km Fußweg

  • Highlights: Frisch erstarrte Lava, leuchtende Lavaströme nachts, Rauch- und Gaswolken

  • Fototipps:

    • Abend & Nacht: Rot-orange Lava bei tiefstehender Sonne oder in der Blauen Stunde fotografieren

    • Objektiv: Weitwinkel für Landschaft, Tele für Detailaufnahmen von Lavaflüssen

    • Sicherheit: Abstand halten, hitze- und gasresistente Kleidung, stabile Schuhe

B. Eyjafjallajökull
  • Aktivität: Berühmt für den Ausbruch 2010

  • Zugang: Gletscher- und Lavafelder im Süden, teilweise geführte Touren

  • Highlights: Vulkanische Krater, schmelzende Gletscher, historische Lavafelder

  • Fototipps:

    • Licht: Morgen für sanfte Schatten auf Lavafeldern

    • Komposition: Lavafelder im Vordergrund, Gletscher im Hintergrund

C. Katla & Mýrdalsjökull
  • Aktivität: Hochgefährlich, da unter Gletscher verborgen

  • Zugang: Nur mit geführten Touren oder Hubschrauberflug möglich

  • Highlights: Drohende Gletscherfluten, schwarze Sandflächen, abgelegene Krater

  • Fototipps: Luftaufnahmen (Drohne oder Helikopter) zeigen die Größe der Gletscher und Vulkane

D. Hekla
  • Aktivität: Einer der aktivsten Vulkane Islands, Ausbrüche alle paar Jahrzehnte

  • Zugang: Wanderung möglich, aber nur mit Erfahrung

  • Highlights: Lavaströme, vulkanische Risse, imposante Berglandschaft

  • Fototipps: Teleobjektiv für Details von Krater und Rissen, Weitwinkel für die dramatische Bergkulisse

Fotografie- und Sicherheitstipps
  • Ausrüstung:

    • Weitwinkel (16–35 mm) für Landschaftsaufnahmen

    • Tele (300–600 mm) für Details auf Kratern, Lavaströmen oder Fumarolen

    • Stativ für Langzeitbelichtungen bei Nacht oder blubbernden Lavaflüssen

  • Drohnen: Nur in zugelassenen Bereichen fliegen, Abstand zu Menschen, Gletschern und aktiven Lavafeldern einhalten

  • Kleidung: Wind- und wasserfeste Kleidung, hitzebeständige Handschuhe, Wanderschuhe

  • Sicherheit: Abstand zu Lava und Fumarolen, Atemschutz bei vulkanischen Gasen, nur markierte Wege benutzen

Beste Tageszeiten für Vulkanfotografie
  • Morgens: Sanfte Schatten auf Lavafeldern, ruhiges Licht

  • Abend: Goldene Stunde auf Lava und Vulkanlandschaften

  • Nachts: Langzeitbelichtungen von glühender Lava, Sternenhimmel über Vulkanen

Fototipp: Rauch- und Gaswolken wirken bei Gegenlicht besonders dramatisch, Schatten auf Lavafeldern verstärken Textur und Strukturen.

Optionale Spezialaufnahmen
  • Luftaufnahmen: Drohne oder Hubschrauberflüge zeigen die Struktur von Kratern und Lavafeldern

  • Makrofotografie: Vulkanische Gesteinsdetails, erstarrte Lavaschuppen, mineralhaltige Böden

  • Langzeitbelichtung: Glühende Lava, Wolkenbewegung, Sterne über Vulkanen

Beispiel-Tagesplan für Vulkanfotografie

Tag 1: Ankunft in Reykjavík → Fahrt nach Reykjanes → Abendaufnahmen am Fagradalsfjall
Tag 2: Wanderung auf Lavafeldern, Detailaufnahmen, Luftaufnahmen bei Sonnenaufgang
Tag 3: Fahrt zu Eyjafjallajökull → historische Lavafelder, Gletscheraufnahmen
Tag 4: Optional: Hubschrauberflug über Katla oder Hekla → Luftaufnahmen
Tag 5: Landschaftsfotografie auf dem Weg zurück nach Reykjavík → Abendaufnahmen der Küste

Fazit

Vulkanismus in Island ist sichtbar, spürbar und fotografisch faszinierend. Von frischen Lavaströmen über schlafende Vulkane unter Gletschern bis hin zu spektakulären Kratern – jede Aufnahme erzählt die Geschichte einer Insel, die ständig in Bewegung ist. Mit der richtigen Planung, Ausrüstung und Sicherheitsvorkehrungen lässt sich das Abenteuer Vulkanismus in Island in einzigartigen Bildern festhalten.

 

Aus den letzten Jahren haben ich die Highlights aus Island in drei kleinen Filmen zusammengestellt: 

Hinweis: Zum Einbinden dieses Videos wird WP YouTube Lyte verwendet!

Dadurch wird erst NACH dem Mausklick auf das statische Vorschaubild das eigentliche Video geladen. Mehr Infos, siehe Datenschutzerklärung.

Pinterest
Pinterest
fb-share-icon
Instagram